Heute um 17 Uhr Internationaler Frauentreff im „Treffpunkt Hoffnung“, Dabringhauser Str. 31a

Der Blick zurück: Die Bandwirker

VON WOLFGANG HORN

Tief in die Geschichte der bergischen Textilindustrie, der Bandweberei, hier zumeist „Bandwirker“ genannt, wollten am Donnerstag etwa 90 Wermelskirchener eintauchen. Auf Einladung des Bergischen Geschichtsvereins waren im sehr gut gefüllten Film-Eck die zwei jeweils etwa halbstündigen Teile eines bereits 1975 produzierten Films des Landschaftsverbandes Rheinland über die Bandweberei im Bergischen, vor allem in Dhünn, zu sehen.

Ernst Köser aus Dhünn, selbst ehemaliger Bandwirker, hielt eine kurze, launig formulierte Einführung. Jetzt gebe es bestenfalls noch eine Handvoll solcher Betriebe, in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts waren es dagegen noch weit mehr als 80 Betriebe und Jahrzehnte zuvor sogar hunderte überwiegend in Heimarbeit tätige Unternehmen zwischen Wermelskirchen, Dhünn, Remscheid-Lüttringhausen und Wuppertal-Barmen.

In der Bandweberei werden schmale Textilien, Bänder, gewebt, Hutbänder, Bänder für Kränze, Gurte, beispielsweise für Rollläden, gummielastische Bänder, Bandapplikationen für Bekleidung, Etiketten, Bänder für technische Zwecke und vieles mehr.

Die Bandwirkerei war eine selbständige Tätigkeit, zu Hause betrieben vom Bandwirker, dessen Frau die erforderlichen Zuarbeiten leisten mußte. Aus der Zeit, als die Garne noch in Barmen zu Fuß abgeholt und die fertig gewebten Bänder wieder zu Fuß nach Barmen zu den großen Textilfabrikanten gebracht werden mußten, rührt die Entfernungsangabe für die Strecke zwischen Dhünn und Barmen von „vier Stunden“.

Die Filme zeichneten sich durch die Verwendung der heute kaum mehr verstehbaren Fachsprache aus. Aber die Bilder der hart arbeitenden Bandwirker und ihrer Familienmitglieder und Kollegen sowie die Einzelheiten der das Publikum durchaus in Erstaunen versetzenden handgetriebenen Webstühle und ihre exakte feinmechanische Konstruktion machten die Lehrfilme sehr wohl zu einem Ereignis, auch für solche, die keinerlei familiäre oder berufliche Beziehung zu dieser spezifisch Wermelskirchener Art der Textilindustrie haben. Dank an den Bergischen Geschichtsverein und das Film-Eck für diesen lehrreichen Blick in die Vergangenheit, für solch schöne Heimatkunde.

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